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Impuls zum 11. Januar 2026

Zum Fest der Taufe des Herrn

Von Wolfgang Kramer (Stuttgart), Kommission Friedenspolitik und pax christi Kirchheim

Vorbemerkungen
Am Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) feiert die Kirche das Fest der Taufe Jesu im Jordan. Mit dem Fest endet der am ersten Adventssonntag begonnene Weihnachtsfestkreis. Vor der im Jahr 1969 beschlossenen Liturgiereform dauerte die Weihnachtszeit noch bis Mariä Lichtmess am 2. Februar (Darstellung des Herrn), 40 Tage nach Weihnachten. Ziel der Reform war es, die Sonntage nach dem Fest der Taufe des Herrn stärker von Weihnachten abzusetzen, ein Übergewicht von Weihnachten im Kirchenjahr zu verhindern und den Übergang zur Fastenzeit liturgisch zu vereinfachen. 

Alle vier Evangelien berichten von der Taufe Jesu: Markus und Lukas knapp und fast wortgleich, Matthäus und Johannes etwas ausführlicher. Übereinstimmend ist bei allen, dass während der Taufe Jesu durch den Täufer Johannes der Geist auf Jesus herabkommt und er als geliebter Sohn des Vaters proklamiert wird. So tritt die trinitarische Formel Vater-Sohn-Geist erstmals im Neuen Testament ausdrücklich in Erscheinung.

Bei der Jesaja-Lesung handelt es sich um das erste der vier sogenannten Gottesknechtslieder in Deuterojesaja (Kap. 40-55), die streng genommen keine eigentlichen Lieder sind, aber nach Stil und poetischer Sprache sich deutlich vom übrigen Text abheben. Der Text führt uns in die Zeit des babylonischen Exils, die Zeit der Knechtschaft (6. Jh. v. Chr.). Wer dieser Gottesknecht ist, sagt Jesaja nicht. Im Neuen Testament wird der Gottesknecht mit Jesus von Nazaret identifiziert, der ganz von Gottes Geist durchdrungen ist.

Erste Lesung:  Jes 42,5a.1-4.6-7
So spricht Gott, der HERR: Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf seine Weisung warten die Inseln. Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

Deutung: Gottes großes Zutrauen in seinen „Knecht“
Im ersten Gottesknechtslied spricht Gott über seinen Erwählten, an dem er Gefallen findet und dem er seinen Geist geschenkt hat, um dem Volk nach all den Jahren der Gefangenschaft, des Leidens und des Hoffens das Heil zu verkünden und allen Nationen und Völkern Recht zu schaffen und Gerechtigkeit zu verwirklichen. Man denkt unwillkürlich an die heute geltenden Prinzipien des Völkerrechts.

Dieser Erwählte liebt die leisen Töne, das geknickte Rohr zerbricht er nicht, den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Der menschlichen Zerbrechlichkeit und den Brüchen des Lebens gegenüber erweist er sich als barmherzig. Er gibt den Schwankenden noch eine Chance, tritt aber entschieden für das Recht ein, dass alles wieder in die richtige Ordnung kommt.

Im zweiten Teil des Textes spricht Gott seinen Erwählten direkt an: Ich habe dich gerufen, ich halte und stütze dich, ich habe dich geschaffen als Kraftquelle für mein Volk und zum Licht der Nationen, was konkret bedeutet, blinde Augen zu öffnen, Erleuchtung zu ermöglichen, ja, Gefangene aus dem Dunkel ans Licht zu holen und aus der Haft zu befreien.

Das Wirken des Gottesknechtes wird im Lesungstext nicht primär als zukünftig ausstehend, sondern als gegenwärtig erfahrbar beschrieben. Das heilende Wirken des Gottesknechtes gilt denen, die jetzt in Gefangenschaft und im Dunkel sitzen. Historisch geht es dabei um die Befreiung Israels aus Babylon. Aber es gilt in neutestamentlicher Perspektive auch denen, die in heutiger Zeit wegen Kriegen, Umweltkatastrophen, Hungersnöten und Diskriminierungen am Verzweifeln sind.

Für seine Freunde war Jesus dieser erwartete Gottesmann, der von Gott  An-der-Hand-Genommene. Sie sahen ihn ganz von Gottes Geist erfüllt. So gestärkt trat er ein für Recht und Gerechtigkeit für alle. Er knickte Menschen nicht, er richtete sie auf und holte sie ans Licht. In ihm erkannten sie die endgültige Erfüllung der Verheißung jenes uralten Textes.

Auch wir heute dürfen in diesem Knecht Jesus Christus erkennen, den Mittler zwischen Gott und den Menschen, der die Zerbrechlichkeit und Endlichkeit des Lebens mit uns teilt und uns aus der Macht der Dunkelheit befreit, indem er uns die Augen für Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit öffnet.

Evangelium: Mt 3,13-17
In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Die Taufe Jesu ist der entscheidende Einschnitt in seinem Leben
Da kommt der erwachsene Jesus an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Was ihn antreibt, ist die in seinem Innersten wahrgenommene Sendung, allen Menschen die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. In seinem Leben ist der Moment gekommen, der eigenen Berufung zu folgen. Dreißig Jahre hatte er sich im Stillen für diesen Augenblich vorbereitet.

Die Taufe Jesu durch Johannes als Zeichen der Umkehr mutet seltsam an: Der Täufling muss den Spender zur Taufe überreden. Nur Matthäus erwähnt die Weigerung des Johannes. Doch vom Zögern seines Gegenübers lässt sich Jesus nicht beirren. Er erhebt sich nicht über seine Mitmenschen. Er fordert keine Sonderstellung für sich. Im Gegenteil: Er nimmt eine demütige Haltung an, weil er davon überzeugt ist, dass die Gerechtigkeit, die Gott von den Menschen fordert, die des Dienens, des Sich-Hinwendens ist. Jesus weiß, dass es um diese größere Gerechtigkeit geht, die ein Kennzeichen für das Reich Gottes ist. In der Bergpredigt, vor allem in den Seligpreisungen, wird er diese Gerechtigkeit dann mit Beispielen konkretisieren.

Doch schon die Taufe am Jordan ist der entscheidende Einschnitt im Leben Jesu. Jetzt beginnt er, öffentlich aufzutreten. Er löst sich von seinem bisherigen sesshaften Leben und wird Wanderprediger. Dieser Neuanfang wird durch die Taufe besiegelt und durch Gott autorisiert. In der Erzählung kommt dies bildhaft zum Ausdruck durch den Geist, der herabkommt, und die Stimme, die das Geschehen theologisch deutet: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Da wird deutlich: Gott steht ganz und gar hinter diesem Menschen, seinem geliebten Sohn. Welch eine Stärkung und Kräftigung für den herausfordernden Weg, den Jesus vor sich hat!

Taufe heißt: Mit Jesus in die Tiefe gehen
Das Evangelium berichtet aber nicht nur von der Taufe Jesu, es verweist uns auch auf unsere Taufe. Das griechische Wort für Taufen hat die Bedeutung von „tief machen“,  eintauchen (ins Wasser), in die Tiefe gehen im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Genau das ist der Weg Jesu, den wir von seinem öffentlichen Auftreten, von seinem Sterben und Tod her kennen. In seiner Nachfolge ist er auch der unsere. Die Taufe verbindet uns mit ihm. Wir werden auf seinen Namen getauft und in die Gemeinschaft der Kirche eingegliedert. Sein einzigartiger Weg ist mit allen Konsequenzen in unsere Lebensgeschichte eingezeichnet: im Wahrnehmen von Gottes Anruf an uns, im Bereitsein zur Sendung und Nachfolge - auch bei Gegenwind und Ablehnung, im Sterben und Tod und in der Verwandlung und Auferstehung zum ewigen Leben. Das geht an die Substanz. Taufe heißt, in die Tiefe gehen. Wo das Wasser flach ist, ist es wohlig warm. Wo es tief ist, ist es unangenehm kalt. Wer sich freischwimmen will, muss den Sprung ins tiefe Wasser wagen. Viele Menschen ziehen es aber lieber vor, an der Oberfläche zu bleiben, ihr einmaliges Leben zu verflachen, wozu Konsumangebote aller Art, vor allem auch im Medienbereich, verlockend einladen. Wer tiefer geht und Farbe bekennt, muss nicht nur zu Verzichten bereit sein, sondern auch mit Anfeindungen und Ausgrenzungen rechnen. 

Taufe heißt: Mit Jesus in die Tiefe gehen. Doch nicht, um sich vom Sog einer pessimistischen Weltsicht in den Abgrund reißen zu lassen und sich einer perspektivlosen Untergangsstimmung auszuliefern und sich darin zu verlieren. Nein, wir Christinnen und Christen sind „aus der Taufe gehoben“. Da geht die Bewegung nach oben. Das ist, wie wenn man wieder auftaucht, den Kopf über Wasser bekommt. Eine ganz besondere Art von Auferstehung. Da sind wir wie neugeboren, werden ein anderer Mensch, ein Kind Gottes. Bei mehreren Erwachsenentaufen, die ich erlebt habe, war dies offensichtlich so. Wie aber passt dieses Bild, wenn es um die traditionelle Säuglings- bzw. Kleinkindertaufe geht?

Gedanken zur Taufpraxis in heutiger Zeit
Für die Kirchen setzt jede Taufe den christlichen Glauben voraus. Säuglinge und kleine Kinder (vor dem Einschulungsalter) werden im „Glauben der Kirche“ getauft, wenn ihre Erziehung im christlichen Glauben durch die Eltern oder wenigstens einen Elternteil (unterstützt von den Paten) angenommen werden kann. Trotz guter theologischer und auch pädagogischer Gründe für die Beibehaltung der jahrhundertealten Praxis stellen sich Fragen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Fakt ist, dass die Zahl der Kleinkindertaufen deutlich zurückgeht, obwohl die Qualität der Taufkatechese und der Tauffeier, auch durch alltagsnähere Spenderinnen und Spender, die nicht geweiht sind, sichtlich zugenommen hat. Dazu gehört die sogenannte "Taufe in zwei Stufen“. Dabei begeben sich die Eltern auf einen Weg, der mit einer gemeinsamen Feier beginnt (erste Stufe) und schließlich zur Taufe der Kinder (zweite Stufe) führt. Das Konzept bietet Raum für eine wirklichkeitsnahe Taufpastoral und eine große Chance, jungen Eltern eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben und zu einer Begegnung mit dem kirchlichen Leben zu ermöglichen.
In diesem Zusammenhang ist ein möglichst später Zeitpunkt für die Firmung ratsam. Sie ist ja das Sakrament, das die Taufe vollendet und die Firmlinge durch die Kraft des Heiligen Geistes stärkt, damit sie ihren Glauben mutig bezeugen und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft übernehmen können. 

Die Tauferneuerung ist wichtig
Um sich immer wieder neu bewusst zu machen, welcher Anspruch mit der Taufe verbunden ist, ist eine regelmäßige Tauferneuerung unerlässlich. Dies geschieht einmal im Jahr in der Feier der Osternacht. Aber warum nur da?    Der Aschermittwoch oder der erste Fastensonntag oder Pfingsten, Fest des Heiligen Geistes und Geburtstag der Kirche, wären auch gute Gelegenheiten.

Übrigens: Fragt man ein Kirchenmitglied nach seinem Tauftag, der ja inhaltlich eine immense Bedeutung für das eigene Christsein hat, stellt sich heraus, dass höchstens 10 Prozent ihn datieren können. Als ich als junger Religionslehrer von wissbegierigen Erstklässlern danach gefragt wurde, konnte ich keine Antwort geben. Seither erneuere ich mein Taufbekenntnis ganz bewusst an diesem Tag und genieße ein festliches Essen.

Zusammenfassung
Das Fest der Taufe Jesu lädt uns ein, Jesus als unseren Bruder zu erkennen, der sich demütig eingereiht hat in die Schar derer, die von Johannes getauft und zur Umkehr gerufen wurden. Es erinnert uns an den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Außerdem lädt es uns ein, unsere eigene Taufe zu bedenken und im beginnenden Jahreskreis aus dem Bewusstsein unserer Taufe heraus den Alltag anzunehmen und ihn in der Nachfolge Jesu zu leben. Als geliebte Töchter und Söhne Gottes sind wir dazu in der Lage. Wichtig ist die alljährliche Erneuerung des Taufversprechens in der Osternacht oder in einer anderen Feier und sinnvoll wäre, unserem persönlichen Tauftag mindestens dieselbe Bedeutung zukommen zu lassen wie unserem Namenstag.

Fürbitten
Guter Gott, du hast uns Jesus Christus als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Am Fest seiner Taufe bitten wir um dein Erbarmen:
V: Herr, unser Gott.   
A: Wir bitten dich, erhöre uns. 
  • Für alle, die sich auf die Taufe oder auf ihre Firmung vorbereiten, dass in ihnen Glaube, Hoffnung und Liebe immer mehr wachsen.
  • Für die christlichen Kirchen, dass zwischen ihnen die Einheit aus der einen Taufe wachse.
  • Für uns und alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen, dass wir mit ganzer Kraft ohne Wenn und Aber Frieden schaffen. 
  • Für alle Einsamen, Kranken und Leidenden, dass sie im Glauben Trost finden und menschliche Zuwendung erfahren.
  • Für unsere Verstorbenen, dass sie verwandelt werden und in deinem Reich die Fülle des Lebens ernten.

Guter Gott, aus deiner Liebe schöpfte Jesus die Kraft, seinen ureigenen Weg zu gehen. Du schenkst auch uns deine grenzenlose Liebe und stärkende Nähe, damit wir uns in der Nachfolge Jesu treu bewähren. Dankbar für das Geschenk unserer Taufe preisen wir dich allezeit und in Ewigkeit. Amen. 

Text zum Nachdenken
Taufversprechen
Nicht mit allen Wassern gewaschen 
aber wiedergeboren aus Wasser und Geist

entsagen wir aller Gewalt zwischen Völkern
allem Hass zwischen Menschen 
aller Lüge zwischen Freunden

weil wir glauben
Gott ist unser aller Vater
seinem Geist ist nichts unmöglich 
Jesu Wahrheit macht uns stark

Tag für Tag
im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
Amen 

Charis Doepgen OSB